Zeter & Mordio | Mürrisches bis Zorniges

“Ich brülle mein barbarisches Yawp über die Dächer der Welt.”

[“I sound my barbaric yawp over the rooftops of the world.” | Walt Whitman | Leaves of Grass]

Definitionstechnisch ist „Zeter und Mordio“ ein Ruf um dringende Hilfe! Gemeint ist damit her der Schrei nach Vergeltung und mancherorts der Aufruf zu den Waffen zu greifen. Im 13. Jahrhundert kommt es der Einforderung von – für diese Zeit angemessener – Gerechtigkeit nahe. „Kopf ab“, wie es die Herzkönigin aus Alice im Wunderland auf den Punkt bringt.

Ich nutze diesen Kraftausdruck weniger aus den oben benannten, korrekten Bestimmungen, sondern wenn ich so richtig sauer bin.

Im Bereich Zeter und Mordio „ziehe ich vom Leder“, „nehme kein Blatt vor den Mund“, „heule den Mond an“ und gifte rum.

Ihr seid vorgewarnt.

Euer stadtläufer
[photo: skeeze]

Von Wut und Werbung

Zeter und Mordio sind für mich alle HB-Männchen Ausraster zusammen. Für die jüngeren Generationen: Dabei handelt es sich um ein Maskottchen der Zigaretten-Industrie. Ein auf den ersten Blick lieber, geordneter Spießbürger, der bei den üblichen Tücken des Tages sein extrem aufbrausendes Naturell nicht unter Kontrolle hat – und dem, na klar, nur ein Glimmstängel den inneren Seelenfrieden und die Gelassenheit wiederfinden lässt.

Während im Fernsehen höchstens Mordillo unter die Gürtellinie mit seinen Cartoons zielte, taten sich die meisten von uns mehr die kunterbunte, heile, heldenhafte Welt von z. B. Signor Rossi sucht das Glück, oder dem stets galanten “Rosaroten Panther” und der herzergreifenden blauen Elise antaten. Doch es gab noch einen cholerisch wundervollen Klassiker aus Italien. Absolut spartanisch und ebenso großartig: La Linea. 

Wie dem auch sei: Wut ist etwas Großartiges, wenn diese ein vernünftiges Ventil findet und in einer vertrauten Umgebung mal Auslauf haben kann, ohne dass man sich gleich vor einem Familien-Tribunal wiederfindet.

Was mich immer allzu gerne an den fantastischen Jack Nicholson denken lässt, der es wie kein anderer versteht, diesem tiefen und oft unterdrücktem Drang ein charismatisches Gesicht zu geben.