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2 Minuten Leben

2 Minuten Leben

Zeit ist relativ

In einem Atemzug kann sich das ganze Leben verändern. Wir behaupten gerne, das die Zeit über uns herrscht, ich denke hingegen, dass die subjektive Wahrnehmung der Zeit weit mehr Einfluss auf unser Geschehen hat als wir uns zugestehen. Zwei Minuten Leben war im Grunde nie als Sammlung von Erzählungen gedacht, sondern begann traurig an einem Abend, in dem ich das Universum so verärgert haben muss, das nichts mehr stimmte. Ich telefonierte mit einer engen Freundin und Autorin. Sie hatte mit meinem Leid bereits viel durchgemacht und da ich ihr am Herzen lag, eine übermenschliche Geduld aufgebracht.

An diesem Abend war es an ihr, sich nun zu öffnen und ihre Trauer, ihre Probleme, Ängste und Wünsche mitteilen zu müssen. Wie immer, wenn das Leben einem eine einschneidende Veränderung abverlangt, war es der denkbar ungünstigste Zeitpunkt. Vielleicht ist das so ein Schriftsteller-Ding, ich weiß es nicht, doch unsere ernsten Gespräche endeten meist bei unserer Passion, dem Schreiben. Eventuell, weil wir es nur dort so ausdrücken können, wie es unserem Gefühl entspricht. Eventuell weil wir mit der Schnelligkeit des Lebens in solchen Situationen überfordert sind und Zeit für die richtigen Worte benötigen. Eventuell auch, da, wie bei einem Bauchredner die Puppe, das ungehemmte Alter-Ego ist, wir über Stellvertreter kommunizieren müssen.

Meine Freundin heißt Nina und so sehr eine gute Freundschaft alles überdauern kann, lange Auszeiten ganz normal sind, werde ich das Gefühl nicht los, dass wir beide es geschafft haben, dieses Band nicht nur zu durchtrennen, sondern die Enden zu versiegeln und unauffindbar zu verstecken. Grotesk, dass so etwas meist nie von den beiden Seiten ausgelöst, sondern über Dritte initiiert wird. Wie dem auch sei. Die erste Geschichte der zwei Minuten Leben, war Nina gewidmet. „Das Mädchen mit dem Teddy in der Hand“. Es wird stets einen besonderen Platz in meinem Herzen haben und mir die Nina, die ich kannte und die sich so stark und wunderbar entwickelt hatte, in Erinnerung rufen.


Beinahe wie im Leben, wo die glücklichen Momente eher selten und damit kostbar sind, weil die schlechten oft lange dauern und einem die letzten Kräfte zehren, ist es bei 2 Minuten Leben.

Viele der Geschichten sind durchtränkt mit einer Umwelt, die das Glück vergessen zu haben scheint. Sie beinhalten Leid, Trauer und Wut – jener, im Grunde sehr gefährliche, die wir nicht ausleben, sondern als  teils uns befremdliche Gedankenspiele inszenieren.

Euer stadtläufer

[Text: der stadtläufer]
[Photo: skeeze]